Jordanien: Klettern im Wadi Rum

Klettern Im Wadi Rum (Jordanien 2000)

 

Mit Wolfgang und Karen fliegen wir über Ostern für zwei Wochen nach Jordanien. Natürlich reizen uns die Sehenswürdigkeiten dieses Landes wie etwa die Hauptstadt Amman, die gut erhaltene, ehe­malige römische Stadt Gerasa oder die Mosaiken von Madaba. Wir besuchen das Tote Meer, laufen drei Tage in den weltberühmten Ruinen von Petra umher und machen auch einen Ab­stecher ans Rote Meer.

Die Highlights für uns Bergsteiger sind aber die Tage im Wadi Rum, einem landschaftlich groß­artigen Wüstental mit vielen steil aufragenden Sandsteinbergen rundum. Hier war das geschichtsträchtige Hauptquartier des englischen Abenteurers Lawrence von Ara­bien, der während des 1. Weltkriegs den Widerstand und Kampf der Araber gegen die Türken organi­sierte. 

Im Talboden sind einige der hier lebenden Nomaden inzwischen sesshaft geworden, und es finden sich die Anfänge eines Touristenzentrums. Direkt vom Zeltplatz aus starten wir zu unse­rer ersten Tour im Dschebel Rum Massiv, einem gewaltigen Gebirgsstock, der 800 m über den Talboden aufragt und durch viele Schluchten labyrin­th­artig in mehrere Untermassive gegliedert ist. Wir haben zum Eingewöhnen eine lange Überschreitung ausgewählt. Doch trotz eines Kletterführers ist die Orientierung alles andere als einfach: Es stecken fast keine Haken in den Wänden, und wir kommen nur ziemlich langsam voran. Schließlich entscheiden wir uns vernünftigerweise zur Umkehr und erreichen unser Zelt nur knapp vor der hier schnell einbrechenden Dunkelheit.

 

Karen vergnügt sich am nächsten Tag mit einem Kamelritt. Wolfgang und ich starten diesmal etwas früher zum höchsten Gipfel des Gebietes. Im unteren Drittel der Tour seilen gerade zwei Engländer an uns vorbei ab - auf Nach­frage stellt sich her­aus, dass sie biwakieren mussten! Wir haben eine beliebte, aber anspruchsvolle Kletter­tour ausgewählt, bei der die Schlüsselstelle den unteren 6. Grad berührt. Auf dem Gipfel des Dschebel Rum ha­ben wir - 800 m über dem Talboden - eine fantastische Rundsicht auf die abwechslungsreiche Wüstenlandschaft unter uns. Sand­flächen, kleine Felsen und gewaltige Sandsteinmassive wechseln sich ab und bilden ein natürliches Landschaftsmosaik. Der Abstieg erfordert trotz des gleichen Weges noch einmal konzentrierten Orientierungssinn. Mit Hilfe unserer zwei Seile und verschiedener Abseiltechniken aus dem Canyoning-Bereich kommen wir flott voran und er­reichen unser Zelt noch vor der Dämmerung - eine schöne, abenteuerliche Klettertour, wie wir sie uns erträumt haben, liegt hinter uns!

Am nächsten Tag fahren wir mit unserem geliehenen Geländewagen auf sandigen Pisten direkt in die Wüste hinein. Am Abend klettern Karin und ich noch eine kurze Route im 5. Schwierigkeitsgrad. Obwohl Karen sonst besser als ich klettert, lässt sie sich durch den leicht bröseligen und sandigen Felsen und die fehlenden Haken entmutigen und überlässt mir den Vorstieg, der mit Friends und Klemmkeilen selbst abgesichert werden muss. Das Abseilen in der Dämmerung an alten Schlin­gen ist zwar kein Problem, aber dafür verklemmt sich ein Seilstrang beim Abziehen hoffnungs­los im Risskamin. Wegen der hereinbrechenden Dunkelheit lassen wir es hängen und seilen uns mit dem verbliebenen 2. Seil ab. Am Boden angekommen, ist es bereits Nacht - und auch dieses Seil lässt sich nicht mehr abziehen! Zum Glück haben wir im Auto noch ein 3. Seil, und so klettere ich mit Wolfgang am nächsten Morgen noch einmal die Route, um unsere Seile aus der Wand zu bergen.

 

Einige Tage später begehen wir eine Kletterroute zu einer großen natürlichen Felsbrücke, wo ich aus­giebig fotografiere. Auch hier treffen wir wieder auf zwei Kletterer, die beim Abstieg den Weg nicht gefunden haben und biwakieren mussten. So heiß es untertags in der Wüste ist, so kalt kann es in den Nächten sein - Biwakieren ist dann wirklich kein Vergnügen! Wir haben ebenfalls ziemliche Orientierungsprobleme und suchen mühsam in dem völlig unübersichtlichen Irrgarten aus Felsen, Rinnen und Schluchten den Weg nach unten. Und so beschließen wir zum Urlaubsabschluss - statt zu klettern - einen gemütlichen zweitägigen Kamelritt zu machen, bei dem wir zwar unsere Finger schonen, aber umso mehr unsere Hintern strapazieren.