So fahren wir am Samstagnachmittag, den ersten Ferientag los und passieren abends ohne Stau die Dauerbaustelle am Brenner (ebenso auf der Rückreise um Mitternacht). Am Fährhafen in Livorno kommen wir allerdings erst nach Mitternacht an. Bei der achtstündigen Überfahrt nach Olbia können wir uns auf der Fähre nach den ganzen Vorbereitungen und der langen Anreise entspannen.
Die ersten Tage in Sardinien
In Sardinien angekommen, finden wir nicht weit von Olbia entfernt einen schönen Sandstrand mit einzelnen Felsen, auf dem schon einige Campingfahrzeuge stehen. Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass unsere Autolüftung nicht mehr funktioniert. Es ist sehr heiß (über 30 Grad) und deshalb suchen wir nach einer Werkstatt: Es stellt sich heraus, dass der eingebaute Ventilator defekt ist, aber auf die Schnelle nicht ausgetauscht werden kann. Zum Glück haben wir noch direkt vor der Abreise einen neuen schwenkbaren Ventilator für den Innenraum eingebaut, der uns jetzt auch nachts gute Dienste leistet, aber das Autogebläse und die Klimaanlage tagsüber natürlich nicht ersetzen kann.
Wir besichtigen wieder die berühmte Kirche Trinita di Saccargia und übernachten am Strand von Bosa an der Ostküste. Dann bleiben wir einen Tag auf der Halbinsel Sinis mit ihren weißen Quarzsandstränden. Als Kontrast verbringen wir den nächsten Abend auf der höchsten Strasse in Sardinien im Gennargentu-Gebirge kurz unterhalb eines Skigebietes. Hier ist es angenehm kühl und grün mit Kuhglocken- bimmelnden Kühen auf den Bergweiden. In den kleinen Dörfern finden wir immer wieder Wandgemälde (murals), meist mit politischen oder Friedens-Themen. Vom nächsten Pass starten wir zu einer Wanderung zum Canyon Golo di Goroppu. Wegen der extremen Hitze und der steilen Pfade ist das aber eine sehr schweißtreibende Angelegenheit.
Unternehmungen mit Freunden
Am Abend treffen wir auf einem etwas abgelegenen Campingplatz an der Ostküste direkt am Meer nicht nur Kletterpartner Tobias und seine Familie, sondern auch den Bergsteiger Alex Huber (ebenfalls mit Familie) direkt nebeneinander.
Zunächst machen wir eine Kanufahrt zu einer nahegelegenen Insel und klettern am Abend und am frühen Morgen die ersten Sportkletterrouten.
Einen Tag später hat Annalena ihren 8. Geburtstag, den wir zusammen feiern und mit einem Gumpenausflug sowie einem abendlichen Festessen ausklingen lassen. Bei einem weiteren Ausflug zu den schönen Gumpen von Bau Mela drehe ich einen kleinen Film über den Badespass im Canyon.
Die Aguglia in der Cala Goloritze
Den Abend verbringen wir auf der Hochebene oberhalb von Baunei, dem Ausgangspunkt für die Wanderung zur berühmten Bucht von Cala Goloritze. Sie gilt als die schönste Bucht des Mittelmeers – und wegen des großen Andrangs müssen 3 Tage vorher die begehrten Tickets online organisiert werden (max. 200 pro Tag). In der Früh geht es problemlos 600 Höhenmeter hinunter zum Meer, wo die See allerdings sehr aufgewühlt und stürmisch ist, weshalb die Kinder und Christine sich nur einmal hineinwagen. Für Tobias und mich dagegen ideal: wir sind die einzigen Kletterer und profitieren vom Wind und den kühleren Temperaturen. Die markante Felsnadel der Aguglia dort ist ein Anziehungspunkt für Kletterer aus aller Welt: der schwierigste Normalweg von ganz Italien im 7. Grad! Vor 26 Jahren war ich mit Freunden schon einmal an einem Besteigungsversuch gescheitert und chancenlos. Mit Tobias als souveränem Vorsteiger klappt es diesmal doch noch. Wir sind die einzigen Kletterer und stehen nach 5 Seillängen auf dem winzigen und ausgesetzten Gipfel mit fantastischer Aussicht – ein Highlight im Kletterleben!
Nach luftigem Abseilen treffen wir wieder auf unsere Familien am Strand. Der heiße Aufstieg zum Auto verlangt von den Kindern und den Erwachsenen noch einmal viel Schweiß ab, wird aber mit einem guten Abendessen belohnt.
Abenteuer auf der Schatzinsel und Urlaubsabschluss
Als Abschluss des Urlaubs wollen wir auf der vorgelagerten Insel von unserem Campingplatz aus eine Nacht unter freiem Himmel verbringen und paddeln am nächsten Abend mit unserer Ausrüstung los. Auf der Isola dell´Ogliastra finden wir ein ideales Plätzchen für unser geplantes ein Biwak. Nach dem Abendessen – schon in der Dämmerung – kommt jedoch ein Polizeiboot mit Scheinwerfern und Megaphon angefahren – und vertreibt uns, da das Übernachten verboten sei. So bleibt uns nichts anderes übrig, als mitten in der Nacht - und vom Polizeiboot begleitet und teilweise geblendet – wieder zum Strand und unserem Campingplatz zurück zu fahren. Trotzdem ein spannendes Abenteuer!
Vor der Fährrückfahrt übernachten wir noch einmal am gleichen Strand bei Olbia. Dort ist ein italienisches Pärchen gerade dabei, eine Yoga-Choreografie zu üben - vor der untergehenden Sonne ein fantastisches Motiv! Sie erlauben mir von ihrer Performance Fotos und Filmszenen zu machen – und so komme ich zu den besten Aufnahmen der ganzen Reise!