Seven Summits 1987-1999
Reiseberichte mit Bildern

Seven Summits 1987 - 1999. Meine persönlichen Erlebnisse und Highlights

Für die Fotogalerien hier Links zu den einzelnen Bergen :

Mt. Everest, 8848 m - der Höchste (Asien, 1992)  
Aconcagua, 6959 m - der Unterschätze (Südamerika, 1999)
Mt. Mc Kinley, 6194 m - der Kälteste (Nordamerika, 1988))
Kilimandscharo, 5892 m - der Einfachste (Afrika, 1987)
Elbrus, 5642 m - der Billigste (Europa, 1998)
Mount Vinson, 4897 m - der Exklusivste (Antarktis, 1997)
Carstenz-Pyramide, 4897 m - der Exotischste (Ozeanien, 1993)
Außerdem: Mount Koskiusko (Australien, 1999)

 

Der Mensch ist seit der Steinzeit im Grunde seines Wesens ein Sammler und Jäger geblieben - er sammelt heute z.B. Briefmarken oder Trophäen. Bei Bergsteigern sind es Touren mit bestimmten Schwierigkeitsgraden oder Höhen. Ende der siebziger Jahre kamen zwei amerikanische Millionäre auf den genialen Gedanken, die sieben höchsten Gipfel aller Kontinente zu besteigen - eine grandiose Idee! Sie waren zwar keine erfahrenen Bergsteiger, hatten aber genügend Geld und Zeit, um mit Bergführern und großem Aufwand das Projekt durchzuführen. Dadurch entstand leider auch der Eindruck, dies sei auch etwas für jeden Durchschnittsbergsteiger, sofern er nur über genügend Kleingeld verfüge. Ein fataler Irrtum - wie die Katastrophen am Mount Everest 1996 gezeigt haben!
Als ich vor zwanzig Jahren als junger Bergsteiger nach der Haute Route den Mont Blanc mit Skiern besteige, glaube ich noch, auf dem höchsten Gipfel Europas zu sein, aber der Elbrus nahe der Grenze zu Asien auf der russischen Seite des Kaukasus ist 800 m höher. Und als ich 1987 auf dem Gipfel des Kilimandscharos stehe, sind die Seven Summits zwar schon bestiegen, aber von diesem Projekt kann ich nicht einmal träumen, da ich davon noch gar nichts weiß. Daß ich dann innerhalb von zwölf Jahren alle diese exklusiven Gipfel als dritter Deutscher und als einer von zirka 100 Bergsteigern aus aller Welt besteige, ist mehr, als ich mir je in meinen kühnsten Träumen vorstellen konnte! Neben Ausdauer und einer hohen Motivation ist natürlich auch ein Quentchen Glück im Spiel - und ich bin dankbar für all die wertvollen Erfahrungen an diesen Bergen der Welt!

 

Kilimandscharo - der Trekkinggipfel (5895 m, Tansania, 1987)

Nachdem ich fünf Monate in einem Missionskrankenhaus am Fuße dieses Berges arbeite, darf dieser Gipfel natürlich nicht fehlen und schließlich ziehe ich allein mit einem (vorgeschriebenen!) Führer und einem Träger los. Dieser Berg ist jährlich das Ziel von zirka 5000 bis 6000 Touristen, die eine Besteigung mit einer Safari in Ostafrika kombinieren wollen. Die meisten von ihnen haben wenig Ahnung vom Bergsteigen oder den Auswirkungen der Höhe, werden aber angelockt, da der Normalanstieg technisch kaum Schwierigkeiten aufweist. Statt den eher langweiligen und stark überlaufenen Normalweg wie die meisten Touristen in fünf Tagen hinauf- und hinunterzuhetzen, begehe ich zum Akklimatisieren zunächst den South Circuit, einen Höhenweg, der abwechslungsreich und landschaftlich sehr reizvoll auf etwa 4000 Meter Höhe unter den verschiedenen Gletschern halb um den Kilimandscharogipfel herumzieht. Dann folgt eine etwas schwierigere, aber interessantere Überschreitung des Kibo-Gipfels von West nach Ost, wobei wir unser ganzes Gepäck mittragen. Der Clou an der Tour ist, daß ich - gut akklimatisiert - allein auf dem Gipfel biwakiere. Die absolute Einsamkeit und die außergewöhnliche Abendstimmung am Gipfelkrater sind ein faszinierendes Erlebnis. In meinem Zelt schlafe ich so gut, daß ich am anderen Morgen sogar den Sonnenaufgang versäume!

 

Mount McKinley - der Kälteste (6194 m, Alaska, 1988)

Der Mount McKinley - auch Denali genannt - gilt wegen seiner extremen nördlichen Lage als kältester Berg der Welt. Auf Grund seiner Exponiertheit ist er besonders arktischen Stürmen und plötzlichen Kälteeinbrüchen ausgesetzt, die oft tagelang andauern können. Da auch alles Gepäck selbst geschleppt werden muß, gilt er als schwieriger Gipfel mit einer Erfolgsquote von unter 50 Prozent. Dieser Berg ist Ziel einer siebenköpfigen Gruppe der Sektion Oberland. Mit 40 Kilogramm Gewicht pro Person brechen wir mit Schlitten und großen Rucksäcken auf. Obwohl einer von uns zwischendurch ernsthaft höhenkrank wird, erreichen wir trotzdem einige Tage später alle zusammen den Gipfel - ein schöner Erfolg! Das eigentliche Abenteuer folgt allerdings erst danach, als wir vom höchsten Lager zu unserer Skiüberschreitung aufbrechen. Nach einer zermürbenden Gepäckschlepperei über den 5500 Meter hohen Denalipaß sind wir auf der anderen Seite plötzlich völlig allein und schlagen uns mehrere Tage lang durch absolute Wildnis. Wir müssen Steilabstiege, Gletscherbrüche, Tundra und Flußüberquerungen meistern, bis wir nach insgesamt vierzehn Tagen und 80 Kilometer wieder die Zivilisation erreichen - ein großartiges Erlebnis!

 

Mount Everest Südgipfel - der Höchste (8751 m, Nepal, 1992)

Über den Mount Everest ist in der letzten Zeit viel diskutiert worden. Spätestens nach Jon Krakauers Bestseller über die Everest-Katastrophe von 1996 und dem großformatigen IMAX-Film sind die besonderen Gefahren der Höhe auch einem breiteren Publikum bekannt geworden. Im Rahmen einer kommerziellen Expedition erreiche ich mit Hilfe von Sauerstoff ab 8000 Meter den Südgipfel (8751 m). Hier warte ich etwa eineinhalb Stunden, aber da noch keine Spuren oder Fixseile existieren, weil es der erste Versuch der Saison ist, geht es vor mir nicht weiter. Schließlich entschließe ich mich, aus Sicherheitsgründen wieder abzusteigen - nur 97 m unterhalb des höchsten Punktes der Erde! Wie auch die Ereignisse der nachfolgenden Jahre gezeigt haben, war diese nie bereute Entscheidung richtig - im Basislager behandle ich zwei Tage später alle vier erfolgreichen Gipfelbezwinger mit schweren Erfrierungen oder anderen Erkrankungen. Eine Woche später bin ich erneut auf dem Südsattel - aber starker Sturm vereitelt einen zweiten Gipfelversuch. Ich bin nicht unglücklich darüber, daß ich den höchsten Punkt nicht erreiche, sondern eher stolz darauf, daß ich trotz insgesamt vier Nächten auf dem Südsattel während der ganzen Expedition nicht eine Schramme davontrage sowie gesund und zufrieden von dieser Expedition zurückkomme. Als ich zehn Jahre vorher erstmals den Mount Everest sehe, denke ich noch nicht einmal im Traum an eine Besteigung - diese liegt damals noch jenseits meiner Vorstellungskraft! Daß ich den Gipfel dann fast erreicht habe, ist ein Beweis, wie sehr man sich bei entsprechender Motivation doch steigern und weiter entwickeln kann.

 

Carstenszpyramide - der Exotischste (4884 m, Neuguinea, 1993)

Dieser Berg ist nicht nur der höchste Berg von Neuguinea, sondern im ganzen pazifischen Raum ("Ozeanien") sowie zwischen Himalaja und Anden. Der schwer zugängliche schroffe Kalkgipfel ist erst 1962 von Heinrich Harrer und Gefährten bestiegen worden. Die Carstenszpyramide war jahrelang aus politischen Gründen gesperrt und ist nunmehr wieder für Bergsteiger geöffnet. Erst jetzt denke ich zum ersten Mal an die Seven Summits. Der Gipfel der Carstenszpyramide erfordert immerhin Felsklettern im unteren 5. Schwierigkeitsgrad oberhalb 4500 Meter, und das meist bei Regen. Nach dem Gipfelerfolg gelingt mir zusammen mit dem Spanier Ramon an diesem Berg sogar noch eine schöne Erstbesteigung über eine 350 Meter hohe Felsplatte im 4. Schwierigkeitsgrad! Bergsteigerisch durchaus zufrieden, beeindruckt uns auf dieser Expedition vor allem die Natur mit ihrem dichten Dschungel, den weiten Hochlandsümpfen und den wilden Felsbergen. Doch das eigentlich Herausragende sind die Kontakte mit den Papuas, den Ureinwohnern Neuguineas. Die Danis als Träger tagelang während Anmarsch und Rückweg zu erleben, ist der eigentliche Gewinn bei dieser exotischen Expedition. Die Danis lebten bis vor wenigen Jahrzehnten noch im Steinzeitalter, und diese Tradition prägt immer noch stark ihre Lebensart, auch wenn sie sich allmählich all den Fortschritten unserer Zeit anpassen. Trotzdem haben sie sich im Gegensatz zu anderen Völkern ihre Identität, Natürlichkeit und Unbefangenheit bewahren können - hoffentlich finden sie weiterhin ihren eigenen Weg.

 

Mount Vinson - der Exklusivste (4897 m, Antarktis, 1997)

Die Antarktis ist der zuletzt entdeckte, im Mittel höchste, trockenste, kälteste, windigste und daher auch abweisendste Kontinent von allen. Er ist etwa doppelt so groß wie Australien und deutlich größer als Europa. Der höchste Gipfel wurde als letzter der Seven Summits erst 1966 bestiegen, da der logistische und finanzielle Aufwand beim Transport in der extrem lebensfeindlichen Umgebung das größte Hindernis darstellt. Vier Jahre nach der Besteigung der Carstenszpyramide leiste ich mir den teuren, aber nie bereuten Luxus, zusammen mit Ralf Dujmovits, dem Leiter unserer Everest-Expedition, in die Antarktis zu reisen. Wir fliegen 3500 km in einer Frachtmaschine von der Südspitze Südamerikas ins ewige Eis der Südpolregion, wo uns der Polarsommer mit vierundzwanzig Stunden Sonne empfängt. Am Weihnachtsfeiertag geht es mit zweimotorigen Flugzeugen noch einmal weiter ins eigentliche Basislager, wo wir bereits am nächsten Tag mit Schlitten und insgesamt 40 Kilogramm Gepäck losziehen. Nach drei Hochlagern erreichen wir ohne größere Schwierigkeiten bei extrem kaltem Wetter den höchsten Gipfel der Antarktis, den knapp 5000 m hohen Mount Vinson, den bisher nur etwa 350 Bergsteiger bestiegen haben. Später gelingt uns sogar noch die Zweitbesteigung eines weiteren Gipfels. Ein eher psychisches Abenteuer erwartet uns hinterher: Wir müssen wegen permanentem Schlechtwetter insgesamt 9 (!) Tage warten, bis wir die faszinierende Antarktis wieder verlassen können! So bleibt genügend Zeit, um die hier festsitzende, bunt zusammengewürfelte Gesellschaft von Bergsteigern, Wissenschaftlern, Polarwanderern und sonstigen Abenteurern kennenzulernen.

 

Elbrus - der Unscheinbare (5621 m, Rußland, 1998)

Die Alpenvereins-Sektion Haag führt zu ihrer 100-Jahr-Feier eine Jubiläumsexpedition zum höchsten Berg Europas durch und lädt mich nach einem Vortrag dazu ein. Zu Ostern geht es über Moskau in den Kaukasus, ein hochalpines, anspruchsvolles Gebirge an der Grenze zu Asien zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer. Der Elbrus ist ein vergletscherter ehemaliger Vulkangipfel, elf Kilometer nördlich vom Hauptkamm ganz auf russischem Gebiet gelegen und damit höchster Gipfel in Europa. Leider haben wir so schlechte Wetter- und Schneeverhältnisse, daß die geplanten Skitouren weitgehend ausfallen und wir statt dessen tagelang den zweigipfligen Elbrus als unser wichtigstes Bergziel belagern. Erst am allerletzten Tag gibt uns das Wetter eine kleine Chance für einen Gipfelversuch, und sieben unserer zehnköpfigen Gruppe erreichen den Ostgipfel. Dafür entschädigt uns ein phantastischer Pulverschnee bei der Abfahrt für das vorhergehende Schlechtwetter, und die Gipfelfeier im Tal fällt mit viel Wodka und Bier sehr feucht und fröhlich aus. Nur wenige Wochen später brennt die bekannte aluminiumverkleidete Hütte Prijut 11 (4200 m) ab, so daß der Aufstieg jetzt 200 Meter tiefer gestartet werden muß. Damit ist die letzte vergletscherte Gipfeletappe ohne Biwak mit 1600 Meter Aufstieg ein ziemlich langes und kräfteraubendes Unternehmen geworden.

 

Aconcagua - der Unterschätzte (6959 m, Argentinien, 1999)

Der Aconcagua, der letzte Gipfel meiner Seven Summits, gilt unter Bergsteigern als nicht gerade attraktiver Berg, obwohl er unterschiedliche Routen mit allen Schwierigkeitsgraden bietet. Zwar ist er der höchste Berg (Süd-) Amerikas und sogar außerhalb des Himalajas, aber durch seinen vulkanischen Ursprung ist er auch ein mächtiger Schutthaufen und erfordert mühsames Höhersteigen an endlosen Schutthängen. Am Berg bin ich allein unterwegs und wundere ich mich bald nicht mehr, wieviele unerfahrene, meist junge Bergsteiger hier unterwegs sind, die keine Höhen- und Expeditionserfahrung mitbringen. Sie haben oft zu viel und schweres Gepäck dabei, dafür fehlen andererseits so wichtige Ausrüstungsgegenstände wie z.B. Skistecken oder Thermosflaschen. Insgesamt bleiben mir die Begegnungen und Gespräche mit anderen Bergsteigern am meisten im Gedächtnis: So treffe ich einen Amerikaner, dem wir vor zehn Jahren am Mount McKinley mit Verpflegung ausgeholfen haben oder die Gruppe Belgier aus der Antarktis. Im höchsten Lager verbringe ich einen schönen und gesprächsreichen Silvesterabend mit der sympathischen Sologeherin Rosemary aus Kanada. Als ich nach nur zehn Tagen am Gipfel ankomme, ist meine persönliche Sammlung der Seven Summits komplett, aber ich schwebe deswegen keineswegs im siebten Himmel, denn der Abstiegsweg am gleichen Tag bis zum Basislager mit ca. 3000 Meter Höhenunterschied zieht sich doch etwas in die Länge! Als die Wolken beim Sonnenuntergang den in roten Farben leuchtenden Gipfelaufbau des Aconcagua freigeben, empfinde ich zum ersten Mal die Größe und Majestät des Berges - und versöhne mich mit dem vorher ungeliebten Gipfel!

 

Mount Kosciusko - der Niedrigste (2228 m, Australien, 1999)

Vorsichtshalber besteige ich im gleichen Jahr auch noch mit Skiern den höchsten Berg des australischen Kontinents ( meinen "achten" Gipfel), damit meine Sammlung unabhängig von der geographischen Sicht- und Zählweise auf jeden Fall komplett ist. Vom Ende des Sesselliftes sind es nur 300 Höhenmeter und sechs Kilometer bis zum harmlosen Gipfel. Doch dieser liegt im dichten Nebel unsichtbar auf einer welligen Hochfläche ohne markante Geländepunkte. Zum "White Out" gesellen sich noch ein starker Sturm und heftiger Regen, so daß ich meinen ersten Versuch ohne jede Sicht nach einer Weile frustriert abbrechen muß. Beim zweiten Versuch komme ich mit Karte und Kompaß zwar bis auf etwa 800 Meter an den Gipfel heran, muß aber dann bei hereinbrechender Dunkelheit völlig durchnäßt und unterkühlt erneut umkehren. Bei meinem dritten Versuch am nächsten Tag setze ich schließlich ein geliehenes GPS-Gerät ein, und erst jetzt gelingt es mir, mit Hilfe der Satelliten-Ortung den so niedrigen und unterschätzten Berg endlich zu besteigen!

 

Das Fazit eines normalen Allroundbergsteigers

Die Voraussetzungen für die Seven Summits sind im wesentlichen die gleichen wie beim üblichen Expeditionsbergsteigen: Man muß nicht unbedingt ein Spitzenalpinist sein, aber nötig sind solide Kondition, gute Technik in Fels und Eis sowie langjährige Bergerfahrung und Ausdauer. Sehr hilfreich sind auch Teamfähigkeit, Improvisationstalent, Frustrations-, Kälte- und Hitzetoleranz sowie eine gute Höhenverträglichkeit. Da die Seven Summits im Mittel 6200 m hoch sind, ist eine fundierte Kenntnis über Akklimatisationstaktik und Höhenkrankheiten absolut notwendig. Andererseits ist ein noch so gutes Training keinerlei Gipfelgarantie: ich selbst bin - auch durch den beruflichen Einsatz als selbständiger Arzt und durch ehrenamtliche Verpflichtungen bedingt - eher trainingsfaul.

 

Ein gewichtiges Problem sind natürlich die hohen Kosten, vor allem am Mt. Everest und in der Antarktis. Beim Gegenwert eines teuren Luxusautos stellt sich hier wieder einmal die Frage nach Sein oder Haben: Aktienpaket, Eigenheim oder Bergabenteuer und Reisen? Der hohe Zeitaufwand bedeutet bei der heutigen Arbeitsmarktsituation leicht einen "Knick" in der beruflichen Karriere. Ein solches nicht ganz ungefährliches Hobby erfordert aber auch eine große Toleranz vom Partner oder der Familie.Um den Daheimgebliebenen unnötige Ängste zu ersparen, habe ich z. B. meine Tourenziele erfolgreich verheimlichen können: der Mt. McKinley war der unbekannte Denali, die Antarktis eine Reise nach Patagonien und der Everest ein Monsuntrekking in Nepal!

 

Entscheidend für den Gipfelerfolg gerade an den ganz hohen Bergen ist meiner Meinung nach eine sehr gute psychische Verfassung bzw. starke Motivation, kombiniert mit einer selbstkritischen Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit als Überlebensgarantie: "Es kommt nicht darauf an, wie gut man ist, sondern wie gut man seine eigenen Grenzen kennt!" Bei mir haben sich gelegentliche Solotouren als mentales Training für den Umgang mit der Einsamkeit und zur Erhöhung der "inneren Sicherheit" bewährt. Auch wenn mir natürlich die letzten einhundert Meter am Mount Everest fehlen, bin ich als nichtprofessioneller und normaler Allround-Bergsteiger schon ein wenig stolz auf die Seven Summits. Ich gebe zu, daß die Anerkennung über diesen Erfolg dem eigenen Ego durchaus gut tut, obwohl es sicher noch viele wichtigere Dinge im Leben gibt als das Sammeln von so exklusiven Gipfeln!

 

Wichtig sind mir die Art und Weise der Besteigungen: Ich habe sie alle als berufstätiger Amateurbergsteiger ohne Sponsoren weitgehend selbständig durchgeführt. Immerhin waren vier Gipfel selbst organisiert, wobei ich zweimal ganz allein unterwegs war. Hinzu kommen drei Überschreitungen, zwei Ski-Expeditionen und sogar eine Erstbegehung. Entscheidend sind für mich auch die Erlebnisse während des Unterwegsseins - und da bieten gerade die beschriebenen Gipfel eine unglaubliche Variationsbreite mit jeweils eigenem Charakter: Vom höchsten Gipfel der Erde bis zum ewigen Eis der Polarregion, vom Vulkan über der Savanne oder dem Kalkriff über dem Dschungel bis zum kältesten Berg der Welt. Bei diesen Bergreisen sieht man nicht nur ganz verschiedene Landschaften unseres Erdballs, man trifft auch auf die unterschiedlichsten Kulturen. Der Kontakt mit den Einheimischen bedeutet für mich einen ganz wesentlichen Teil der Reiseerfahrung und übertrifft manchmal sogar das Bergerlebnis. Hinzu kommt bei praktisch allen Gipfeln noch das Zusammentreffen und der internationale Erfahrungsaustausch von gleichgesinnten Bergsteigern aus allen möglichen Ländern - ebenfalls ein unverzichtbarer Bestandteil solcher Expeditionen.

 

Für die Besteigung der Seven Summits braucht man neben Glück natürlich auch viel Zeit und Geld - es handelt sich nach wie vor um ein ziemlich exklusives Abenteuer. Trotzdem bereue ich keinesfalls, soviel dafür ausgegeben zu haben. Um es in unserer Wirtschaftssprache auszudrücken: Die Investitionen in meine Bergreisen bringen mir in meiner Erinnerung an all die großartigen Erlebnisse eine geistige Rendite bis zu meinem Lebensende, noch dazu mit jährlich steigenden Zinsen!