Kanu Dordogne - Duplikat
Kanutour auf der Dordogne

In den Pfingstferien 2026 fahren wir gleich noch am letzten Schultag los, wenn auch nur bis Karlsruhe. Für die nächsten Tage ist vom Wetterbericht eine Schönwetterperiode vorhergesagt, genauer gesagt sogar eine Hitzeperiode.

Die Anreise – von Karlsruhe zuerst das Rheintal aufwärts und dann ab Mühlhausen stets diagonal südwestlich zu den Ausläufern des Zentralmassivs - ist ziemlich lang, heiß und langweilig, zumal wir wegen der gerade sehr hohen Benzinpreise gemütlich und spritsparend unterwegs sind.

Aus dem Vulkanpark Auvergne westlich von Clermont-Ferrand entspringt der Fluss Dordogne, der nach knapp 500 km bei Bordeaux erst in die Gironde und kurz darauf in den Atlantik mündet. Im Oberlauf ist dieser Wasserweg durch große Stauseen zur Stromgewinnung gekennzeichnet, während er im Mittelteil über 150 Kilometer ein weitgehend naturbelassener Wildfluss ist, der nur durch zwei Wehre unterbrochen ist. Im weniger interessanten Unterlauf wird die Dordogne breit und träge sowie durch viele Wehre gebändigt.

Wir wollen natürlich den schönsten Teil innerhalb einer Woche befahren und starten bei Argentat – genauer etwas unterhalb der kleinen Ortschaft. Damit umgehen wir mit unserem vollbeladenen Boot die erste Schlüsselstelle, eine etwas kritische Stromschnelle. Die Dordogne fließt aber auch danach recht flott und wir paddeln an diesem Tag sportlich über weitere kleinere Stromschnellen oder Kiesbänke etwa 20 km bis zu unserem Tagesziel.

Der zuerst angesteuerte Übernachtungsplatz ist noch gar nicht in Betrieb und so müssen wir unser Kanu auf dem Bootswagen über Straßen und eine Brücke stromaufwärts fast 2 km schieben, um auf der anderen Flussseite stromauf einen geöffneten Campingplatz zu finden.

Wir sind am Anfang zunächst fast alleine auf der Dordogne unterwegs – nur am ersten Tag haben wir ein Schweizer Paar getroffen, ebenfalls mit einem kleineren Grabner Adventure Boot. Am nächsten Tag setzen wir auf den ruhigeren Flussabschnitten erstmals unseren Elektromotor ein und kommen so auf ca. 30 km Fahrtstrecke. Allerdings müssen wir den Motor immer wieder aus dem Wasser hochziehen, da wir viele Kiesbänke passieren, mit denen wir teilweise auch Grundberührung haben. Manchmal bleiben wir zwischen den Steinen stecken oder müssen sogar aussteigen, um das Kanu wieder flott zu bekommen.

Bei Carennac, einer schönen mittelalterlichen Ortschaft umfahren wir eine große Wehranlage über kleine Seitenkanäle in einer schattigen Urwaldlandschaft. Zum Schluss geht es auf einer flotten Bootsrutsche wieder in den Hauptarm der Dordogne.

Unser nächster Campingplatz liegt vor einer der langen Felswand, die jetzt öfters am Ufer auftauchen. Auf diesen Felsen und umliegenden Hügeln sind immer wieder Herrschaftshäuser, Burgen oder Schlösser erbaut. Am dritten Tag paddeln wir zwischendurch einen einmündenden Bach etwas flussaufwärts – und unter einer Burganlage können die Kinder hier im Wasser vergnügt und unbesorgt spielen.         

Nach 25 km erreichen wir am dritten Tag das Städtchen Souillac – hier machen wir einen Tag Pause. D.h. Christine und die Kinder genießen bei heißem Wetter (35 Grad) das Schwimmbad, während ich mich auf den Rückweg zum Ausgangspunkt mache, um unseren Sprinter nachzuholen.

Dabei zeigen sich auch die Probleme der Region: sie ist zwar landschaftlich sehr schön, aber dünn besiedelt und auch die Infrastruktur ist schwach entwickelt. Ich muss vom Campingplatz erst 3 km zum Bahnhof laufen, um einen Fernzug in die nächste größere Stadt zu erwischen. Von dort geht es nach längerer Wartezeit wieder mit einem Regionalzug zur nächsten Kleinstadt. Die folgende Busverbindung fährt nur früh und abends – und die angegebene Uhrzeit zu Mittag ist nur eine Option, die vorher angemeldet werden muss. So bleibt mir nichts anderes übrig, als ein Bestell-Taxi zu nehmen.

Die Rückfahrt mit dem Sprinter entlang der Dordogne führt über steile Hügel und einspurige Straßen durch eine einsame, landwirtschaftlich genutzte  Hügellandschaft. Manche Ufer der Dordogne habe gar keine Straßen und würden wegen der starken Mäander des Flussverlaufs auch wenig Sinn machen.

Die Übernachtung in unserem Sprinter ist natürlich gegenüber den zwei Zelten von vorher ein Luxus. Auch unsere Wohnmobilküche und die Campingmöbel machen das Leben viel angenehmer.

Trotzdem paddeln wir am nächsten Tag wieder nur mit unserem Boot und der ganzen Ausrüstung weiter. Wir landen nach 25 km bei einem Luxus-Campingplatz mit großen Schwimmbadrutschen, überteuerten Preisen und vielen Urlaubern aus England. Aber gerade hier müssen wir unser Kanu besonders lange schieben, bis wir unseren Nachtplatz auf der Anlage erreichen – aber zumindest die Kinder haben ihren Spaß! 

Eine weitere Tagesetappe bringt uns an unseren Endpunkt. Da sich hier immer mehr Burgen, Schlösser und kleine Ortschaften aneinanderreihen, sind jetzt auch mehr Touristen unterwegs, allerdings nur auf kurzen Tagesetappen mit Kanus von einem der vielen Bootsverleihern. Selbst eine touristische Motorbootverbindung gibt es hier.

Unser nächster Campingplatz liegt weitläufig unter schattigen Bäumen – hier beenden wir unsere Kanutour, da der weitere Flussverlauf bei immer noch heißen Hochsommertemperaturen nicht mehr viel bietet und wir eh schon alle einen Sonnenbrand haben. So sind wir an 5 Paddeltagen und einem Ruhetag insgesamt 120 km weit gekommen.

Von hier aus versuche ich wieder zum Wohnmobil zurückzukommen. Obwohl durch die Ortschaft eine Bahnlinie geht, gibt es keinen Bahnhof oder eine Busverbindung. Selbst ein Taxi ist trotz Bemühungen des Campingplatzbesitzers nicht aufzutreiben. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mein Glück mit Trampen zu versuchen.

Ich laufe also zur nächsten Hauptstraße – und werde tatsächlich nach wenigen Minuten mitgenommen. Mit dem Fahrer unterhalte ich mich einige Minuten auf Englisch, bis wir merken, dass wir beide aus Deutschland stammen. Allerdings lebt der ehemalige Steinmetz schon seit 45 Jahren in Frankreich, ist hier inzwischen verwurzelt und erzählt mir seinen interessanten Lebenslauf samt Hintergründen über die Region. Zum Schluss fährt er sogar einen kleinen Umweg, um mich nahe an den Campingplatz zu bringen, wo unser Sprinter steht. Viel früher als erwartet bin ich so wieder mit dem Wohnmobil zurück.

Am nächsten Morgen kaufen wir erst mal im Supermarkt ein und fahren dann ca. 50 km nach Lascaux, der Höhle mit den berühmten Felsmalereien und UNESCO-Kulturerbe. Die Höhlenzeichnungen sind ca. 17000 Jahre und wurden 1940 entdeckt. Zum Erhalt der Original-Malereien wurde ein später eine naturgetreue Nachbildung der Höhle errichtet (Lascaux 2) und zuletzt sogar noch weitere Einzel-Kopien mit eindrucksvollen Multimedia-Effekten. Wir machen bei einer französischen Führung mit und ich schiesse viele Fotos von den eindrucksvollen und lebendigen Bildern.  

Diesmal übernachten wir auf einem Campingplatz, den wir schon von unserer Kanutour her kennen. Von dort aus geht es zum nächsten Höhepunkt. Die Gouffre de Padirac ist eine Tropfsteinhöhle mit Besonderheiten: zuerst steigt oder fährt man etwa 100 m hinunter in ein riesiges Erdloch. Dann geht es neben einem Bach etwa 1 km zu Fuß ins Höhleninnere. Die Höhle ist durch einen unteririschen Fluss entstanden, der sich fast 20 km hinzieht. Mit kleinen Booten werden die Touristen als nächstes auf diesem Fluss einige Kilometer weiter zur Hauptattraktion transportiert, die wiederum zu Fuß zu begehen ist. Ein riesiger Höhlendom wartet hier mit vielen Treppen, kleinen Seen, fantastischen Tropfsteinformationen und professioneller Beleuchtung auf die Fotos der staunenden Besucher. Zusätzlich erfährt man über den mitgelieferten Audioguide in mehreren Sprachen Informationen über die Höhle und ihre spannende Entdeckung. Von all den Höhlen, die ich weltweit besichtigt habe, war dies tatsächlich in ihrer Gesamtheit die eindrücklichste. 

Ewas weiter besuchen wir noch das bekannte Klosterstädtchen Rocamadour. Bei etwas trübem Wetter und sehr vielen Touristen kommt es jedoch keinesfalls an die Höhle von Padirac heran.

Wir übernachten an einem Campingplatz an der Dordogne, an dem wir mit unserem Kanu schon vorbeigefahren sind. Hier steigen wir noch einmal in unser Boot und paddeln erneut durch die Seitenarme der Umfahrung bei der Ortschaft Carennac, um mit der 360 Grad Kamera noch einige Filmszenen und Stimmungen dieser Bootsfahrt zu sammeln.

Danach sind alle zufrieden und wir machen uns wieder auf den Heimweg, denn das schöne Wetter mit der Hitzeperiode ist auch vorbei und der Wetterbericht sagt Regen und Gewitter voraus.